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Schlaganfälle per Messgerät verhindern?

Ärzte und Apotheker erproben in einer Studie, ob sich mit einem einfachen Gerät Vorhofflimmern erkennen und dadurch die Schlaganfallrate senken lässt
von Christian Krumm, 10.07.2017

Beratung mit Herz: Apotheker Stephan Jüsten mit dem Stab, der Vorhofflimmern anzeigen soll

W&B/Henning Ross

Wenn ihr Herz unregelmäßig schlägt, nehmen Betroffene das meist gar nicht wahr. Doch es könnte ein Hinweis auf Vorhofflimmern sein, einen der häufigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle. Bei einem unregel­mäßigen Herzschlag entstehen leicht Gerinnsel im Vorhof des Pumporgans, die dann mit dem Blutfluss ins Gehirn ge­langen, dort die Gefäße verstopfen und so den gefürchteten Schlaganfall aus­lösen.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung ist das Vorhofflimmern für etwa 30.000 Schlaganfälle pro Jahr verantwortlich. Besonders groß ist das Risiko für Menschen ab 65. Dabei könnte diese ­Altersgruppe durch die Einnahme blutgerinnungshemmender Medikamente weitgehend geschützt werden. Die Betroffenen müssen allerdings wissen, dass sie unter Vorhofflimmern leiden.

Diagnose kommt oft zu spät

Im Rahmen einer Studie wollen Mediziner der Uniklinik Aachen nun herausfinden, ob die einfache Messung mit einem sogenannten Ein-Kanal-EKG-Gerät als Screening-Methode die Zahl der Schlaganfälle senken könnte. Bislang wird die Diagnose Vorhofflimmern meist beim Arztbesuch gestellt – zufällig.

Die Herzstiftung rät deshalb auch, den Puls regelmäßig selbst zu kontrollieren. "Leider wird das Vorhofflimmern oftmals erst diagnostiziert, wenn der Schlaganfall schon passiert ist", sagt Professor Nikolaus Marx.

Großes Interesse an der Untersuchung

Der Aachener Herzmediziner leitet die Studie. Als Partner haben sich die Forscher die Apotheken der Städteregion Aachen mit ins Boot geholt. Rund 7600 Menschen folgten einem Aufruf und ließen sich Anfang des Jahres in einer der teilnehmenden Apotheken checken. "Das Interesse war weitaus größer, als wir erwartet haben", sagt der Apotheker Stephan Jüsten aus Alsdorf.

Das Herzstück der Studie bildet ein stabförmiges Messgerät, das wie ein Fahrradlenker gegriffen wird. Mittels ­eines leichten Stromflusses zeichnet es quasi ein kleines EKG auf und gibt damit Aufschluss, ob Unregelmäßigkeiten im Herzschlag vorliegen. Ist alles in Ordnung, leuchtet ein grünes Signal auf.

Bei fünf Prozent leuchtet es rot

Unter den rund 100 Patienten, die allein in Jüstens Apotheke an der Studie teilnahmen, waren fünf, bei denen das Mess­gerät ein rotes Signal gab. Diese Zahl ist wohl auch für die Gesamtzahl der Teilnehmer repräsentativ. So sollen insgesamt knapp fünf Prozent von ihnen Auffälligkeiten in der Pulsfrequenz gezeigt haben.

Alle Betroffenen wurden noch in der Apotheke beraten und gebeten, den Hausarzt für eine weitere Diagnostik aufzusuchen. "Viele Menschen kannten die Zusammenhänge nicht. Dadurch konnten wir eine Menge Aufklärungsarbeit leisten", sagt Jüsten.

Langzeitergebnisse stehen noch aus

"Nach zwei und nach zwölf Monaten kontaktieren wir die Patienten nochmals und befragen sie über den weiteren Verlauf", erklärt Studienleiter Marx. Etwa ob der Patient wirklich den Arzt aufsucht. Wie der Hausarzt mit der Situation umgeht. Und ob der Diagnosestab tatsächlich sinnvolle Ergebnisse geliefert hat.

"Wenn wir zeigen, dass es genügt, einmal im Jahr für eine Minute in der Apotheke einen solchen Diagnosestab anzufassen, um die Zahl der Schlag­­anfälle in der Gesamtbevölkerung zu senken, dann wäre das großartig", so Marx. Auch die Apotheker würden das Messgerät gerne behalten – "wenn sich die Methode als aussagekräftig herausstellen sollte", meint Jüsten. Immerhin sei es nur eine Momentaufnahme.

Kooperation mit Modellfunktion

Auch unter einem anderen Aspekt sei die Aktion ein Erfolg gewesen: "Die Studie und die Art der Durchführung sind ein hervorragendes Beispiel dafür, was Ärzte und Apotheker gemeinsam für das Wohl des Patienten leisten können."

Herzmediziner Marx sieht das genauso und attestiert den Apothekern, eine tolle Arbeit geleistet zu haben. Er glaubt, dass eine solche Kooperation durchaus Modellcharakter für künftige wissenschaftliche Studien und Vorsorgekonzepte haben könnte. Er ist überzeugt: "Das funktioniert nur mit der Vor-­Ort-Apotheke".



Bildnachweis: W&B/Henning Ross

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